Frankfurt, 5. Oktober
Lieber Kurt,
nur auf Grund meiner ausgeprägten Gutmütigkeit und nach dem Genuss einiger Schnäpse zur Beseitigung des letzten bisschen Verstandes kann ich die Tasten zu einem müden

bewegen. Der eigentliche Brief fängt erst jetzt an.
Ohne Anrede!
Angenommen, Sie wären Vernunftgründen einigermaßen zugänglich, so müssten Sie mir uneingeschränkt zustimmen bei meiner Feststellung, dass der Anfang Ihres letzten Briefes wiedermal ein deutlicher Beweis sein dürfte, für die hinreichend bekannte und weitverbreitete Unlogik des männlichen Geschlechts!
Wenn ich erinnern darf: Sie schrieben etwas von „treulose Tomate“, und bezogen dies nicht etwa – wie es logisch gewesen wäre – auf Ihre Person, sondern erbärmlicherweise auf die meine. – Ich war sprachlos. – Nachdem ich mich inzwischen mühsam von meiner Erschütterung etwas erholt habe, erlaube ich mir eine ganz bescheidene Kritik am Yankee in Frageform:
WER tollte die ganze Zeit in New York herum?

WER sonnte sich täglich am Strand?

WER ging dauernd Tanzen, Flirten, Trinken und Kartenspielen?

WER verbrachte einen 8-Stunden-Tag
außer 5 kleinen Pausen:


damit, zu duschen, zu baden und sich kühle Luft zuzufächeln?

Und das alles ohne zu schreiben!!!

Während wer – nach harter Arbeit – wehmutsvoll im stillen Kämmerlein saß und Ihnen krampfhaft einen inzwischen allerdings leicht angestaubten Platz in seinem Herzen zu bewahren versuchte?
Ja – ich bin böse mit Ihnen. Böse und traurig!
Wenn Sie wirklich so nett wären, wie ich mal gedacht hatte, dann hätten Sie …
-
natürlich öfter geschrieben!
-
Auf offenen Postkarten nichts von „heißen“ Stunden notiert
-
am Samstag, den 5. September nicht den besten Kaffee der Stadt verschmäht (Sie entsinnen sich doch sicher, dass ich Sie zu diesem Datum eingeladen hatte!) so dass ich mich e i n w a n d f r e i betrogen fühlte
… anstatt Folgendes abzusenden:

Sicher ist es fair, wenn ich Sie abschließend von dieser Tatsache unterrichte:

Es kann aber auch so werden:

Oder so:

Genug von diesem kindischen Liebesgeschwätz!
Für Ihre Zeilen von Anfang vergangenen Monats meinen Dank. Sollten Sie, wie vorgesehen, am 25. Oktober ankommen, so bin ich telefonisch zu erreichen.
- Freitag: von 16:15 bis 19 Uhr unter 111111, da meldet sich die Zentrale, bitte die Forschungsabteilung und dann mich verlangen. Von 20:30 bis 21 Uhr unter 22222
- Samstag: von 10 bis 12 Uhr wie Freitag, von 16:15 bis 19 Uhr, von 20 bis 24 Uhr unter 3333
- Sonntag: von 15 bis 17 Uhr unter 33333
- Montag: wie Freitag.
Bis dahin einen der Lage der Dinge entsprechend freundlichen Gruß
M.