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Wenn jetzt bitte mal alle zur Ruhe kommen wollen… Ja, auch Sie da hinten! – Vorab ein herzliches Dankeschön an Wilder Kaiser, der unser Wichtelvergnügen organisiert hat – super, ich habe was abgekriegt, also ist alles gut! Und nun: Bühne frei für meinen Blogwichtel!

Zerzauste Blume im Pfeifenqualm

Angenommen, es gäbe auf der Welt keine Marmelade – ich würde sie nicht entbehren, habe ich immer gedacht, bis Frau Kollegin Samtmut mir ihre selbst gemachte Kirschmarmelade mit Amaretto geschickt hat. Es war der beste Trostpreis, den ich je bekommen habe. Nach der Verkostung habe ich verzückt in meiner Küche gestanden und gerufen: Wie schnöde und nichtswürdig wäre doch eine Welt ohne Samtmuts köstliche Marmelade! Mein Nachbar rief durch die Schallbrücke zwischen unseren Wohnungen: „Donnerwetter, die muss aber lecker sein, wenn du so herumbrüllst! Wo hast du sie her!?“ Und ich: „Aus dem Internet, aber kaufen kann man die nicht. Die muss man sich verdienen!“

Das bald leere Gläschen war eingewickelt gewesen in ein geklöppeltes rundes Spitzendeckchen. Das habe ich noch, es ziert meine Kommode. Sie steht direkt hinter mir, hat sechs große Schubladen und enthält überwiegend Mappen mit Verwaltungsschreiben, die leider nicht gut geordnet sind. Eigentlich enthält meine Kommode Papierchaos, und dieses Chaos wird gedeckelt durch sein Gegenteil, ein kunst- und planvoll geknüpftes Netzwerk aus weißem Garn. Es ist aber mehr als die künstlerische Garnierung des chaotischen Papierkrams. Das Deckchen erinnert mich daran, dass ich an einem Netzwerk teilhaben darf, und dieses Netzwerk von Bloggerinnen und Bloggern bereichert seit nunmehr sechs Jahren mein Leben.

Das Blog von Kollegin Samtmut ist rätselhaft, für mich ein Buch mit sieben Siegeln, ein Zauberbuch oder ein zauberhaftes Weblog. Gerade erst zeigte sie ein Foto von sich mit Klebeband quer über dem Mund. Aber sie thematisiert nicht nur sich selbst. Immer wieder veröffentlicht sie künstlerisch verfremdete Fotografien mit fast malerischer Qualität. Nichts ist eindeutig, alles ist polyfunktional. Die Polyfunktionalität ist ein wesentliches Merkmal des Kunstwerks. Daher kann man mit Recht sagen: Samtmuts Blog ist ein Kunstwerk.

Das Motto ihres Blogs lautet: „Ich schmückte mein Haar mit einer zerzausten Blume, doch ihr Idioten seht nur den dicken Rauch meiner Pfeife.“ Das ist poetisch, hat weibliche Kraft, und ich bin versucht, den dicken Rauch von Samtmuts Pfeife lieber sehen zu wollen, von mir aus noch vage diese zerzauste Blume. Weil es eben nicht politisch korrekt ist, dass Frau Samtmut mit ihrer Pfeife alles einnebelt. Die Frau traut sich was. Das macht sie mir sympathisch. Bitte verzeihen Sie mir die Lobhudelei, liebe Leserin, lieber Leser, aber Samtmut hat mich in weiser Voraussicht mit Marmelade bestochen.

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Ich weiß, wer mein Blogwichtel ist, verrate es aber (noch) nicht. Ganz herzlichen Dank, lieber Blogwichtel, ich bin kräftig gerührt, wie die Kirschmarmelade, und singe ausgelassen:
Amaretto ist ’n geiles Zeug,
ich bin schon lull und lall.
hab’ keine Ahnung ob du mich verstehst,
wenn du so schreibst und ich krieg’n Knall.
…. oder so ähnlich *räusper*